KI-Wahrnehmung Merkmalsaggregation. In einer Welt, in welcher struktu- rierte 3D-Modelle unserer Welt zunehmend an interna- tionaler Bedeutung gewinnen, lehren ExpertInnen Ma- schinen nicht nur, was sie in einer Szene wahrnehmen können – sondern wie ihre Elemente zusammenhängen. DriverGaze360 verschiebt diese Frage in eine andere, ebenso wichtige Richtung: Wie orientieren sich Men- schen selbst in komplexen Szenen? Die DFKI-Forschenden haben dafür eine Datensamm- lung mit rund einer Million blickannotierter Frames aus einem realistischen 360-Grad-Fahrsimulator aufgebaut und zeigen damit, wie sich Fahreraufmerksamkeit unter kontrollierten, aber realitätsnahen Bedingungen erfas- sen lässt. Das ist nicht nur für die Analyse menschlicher Wahrnehmung relevant, sondern auch für Assistenz- systeme, die verstehen müssen, worauf FahrerInnen in kritischen Momenten tatsächlich achten. Damit wird ein blinder Fleck bisheriger Forschung sichtbar, denn klas- sische Datensätze erfassen vor allem frontale Sicht und unterschätzen seitliche oder rückwärtige Aufmerksam- keitsdynamiken, etwa beim Spurwechsel, beim Einfä- deln oder beim Blick in den Rückraum. DriverGaze360 ist somit mehr als ein Verkehrsthema. Die Arbeit zeigt, dass Szenenverständnis nicht nur eine Frage maschineller Segmentierung und Relationen ist, sondern auch eine Frage situierter, menschlicher Orien- tierung unter realistischen Bedingungen. Die zusätzliche Objektführung des Modells ist dabei zentral: Das System lernt nicht nur Blickverteilung, sondern auch, welche Objekte im jeweiligen Moment aufmerksamkeitstragend sind. Dadurch wird Aufmerksamkeit semantisch an- schlussfähig und als strukturierte Beziehung zwischen Mensch und Umgebung beschreibbar. Mit Inpaint360GS tritt schließlich ein dritter Zugang hinzu: das aktive Bearbeiten von Szenen. Das Verfahren ergänzt fehlende Bild- und Raumanteile in 360-Grad- Umgebungen objektbewusst und adressiert damit ein Kernproblem jeder realitätsnahen 3D-Repräsentation. Szenen sind oft unvollständig, verdeckt oder lückenhaft. Entscheidend ist dabei nicht nur, dass etwas rekonstru- iert wird, sondern wie. Inpaint360GS zielt darauf, fehlen- de Bereiche so zu ergänzen, dass Objektlogik, räumliche 7 Struktur und semantische Kohärenz erhalten bleiben. Hierin liegt die übergeordnete wissenschaftliche Verbin- dung zu den Arbeiten ReLaGS und DriverGaze360. Wenn wir mit ReLaGS zeigen, wie Szenen lesbar werden, und mittels DriverGaze360 aufdecken, wie Orientierung in ihnen verteilt ist, dann zeigt Inpaint360GS, wie auf die- ser Grundlage in Szenen eingegriffen werden kann, ohne ihre innere Struktur zu zerstören. Aus Wahrnehmung wird damit nicht automatisch Handlung, wohl aber die Voraussetzung für eine Form von Bearbeitbarkeit, die geometrische Präzision, semantisches Verständnis und Kontextsensibilität zusammendenkt. Damit zeigen die drei Arbeiten mehr als methodische Fortschritte. Sie markieren einen Schritt hin zu KI-Sys- temen, die räumliche Umgebungen nicht nur rekonstru- ieren, sondern in ihrer Struktur, ihren Beziehungen und ihren Lücken verstehen und verarbeiten können. Wer Szenen, Aufmerksamkeit und Rekonstruktion gemein- sam denkt, schafft die Voraussetzungen für verlässliche Roboter, robustere Assistenzsysteme, präzisere digita- le Zwillinge und eine visuelle KI, die sich nicht mit dem Sichtbaren begnügt, sondern den Zusammenhang mit- versteht. CVPR 2026: Bühne für visuelle KI Die IEEE/CVF Conference on Computer Vision and Pattern Recognition (CVPR) zählt zu den wich- tigsten internationalen Konferenzen der Compu- ter-Vision-Forschung und fand 2026 vom 3. bis 7. Juni in Denver statt. Das DFKI diskutierte dort aktuelle Arbeiten zu 3D-Szenenverstehen, rela- tionalem Denken, Aufmerksamkeitsmodellierung und objektbewusster Rekonstruktion. Im Fokus dieser Ausgabe stehen deshalb drei Beiträge aus dem DFKI-Forschungsbereich Erweiterte Reali- tät: ReLaGS, DriverGaze360 und Inpaint360GS. Gemeinsam zeigen sie, wie sich Geometrie, Auf- merksamkeit und Szene-Editing als zusammen- hängende Forschungsbewegung lesen lassen.